Die Reise nach Kirgisien, Pamir Berge, Pik Lenin 7.134 m
Die Reise:
06.08.2007: um 20.00 h startet die Maschine mit einer kleinen Verspätung, Grund für die Verspätung ist: Die Maschine ist überbucht. Eine Frau von der Turkish Airlines fragt jeden Passagier einzeln im Gate ob er nicht einen Tag später fliegen möchte. Und sie sind nicht gerade kleinlich, 500 USD geschenkt und eine Übernachtung in einem 5 Sterne Hotel in Istanbul inkl. Abendessen. Klingt verlockend, ich hätte es ohne weiteres angenommen, doch ich wollte Tien Shan Travel deshalb nicht unbedingt mit weiterer Arbeit belasten, die mich für einen Nettopreis ohnehin schon sehr gut bedient haben. Alles abändern, neu planen, buchen,
Inlandflüge umbuchen, etc. Also lehne ich freundlich ab. Unterwegs läuft ein Film von Nicholas Cage in der Maschine, der die Flugzeit etwas verkürzt. Zum Essen gibt es Frikadellen an Bord. Ich hatte befürchtet dass
alkoholische Getränke vielleicht nach der Wiederwahl der fundamentalistischen Partei vielleicht aufgehoben sind, doch war dies nicht der Fall. Es gab Wein und Bier an Bord, kostenlos. Ich trinke Rotwein.
Turkish Airlines
Blumen im Guest House

07.08.2007: Endlich ein Land, in dem die Türken wirklich beliebt sind. Das merke ich als erstes an der Passkontrolle. Keine Fragen, ein lächelndes Gesicht nachdem ich mein Reispass vorzeige während die Pässe der europäischen Touristen ziemlich unter die Lupe genommen werden. Ich habe nicht mal ein Visum in meinem Pass. Bishkek mit einem kleinen Flughafen, mich wundert nur „warum stehen hier so viele Flieger der U.S. Force“? Ich bemerke mindestens 5 Maschinen die dort parken. Nachts um 03.00 geht es noch weiter in die Stadt. Die Stadt schläft, doch die Polizei nicht. Wieder einmal gewinnt das beliebt sein. Mein Pass lässt uns wieder mit einem Lächeln des Polizisten durch. Dann das Guest House, eine kleine Pension, betrieben von einem äußerst netten, russischen Ehepaar. Nachdem sie mir das Gemeinschaftsklo im wunderschönen Blumengarten mit den zahlreichen Apfelbäumen zeigen darf Ich endlich schlafen. In einem kleinen Zimmer in dem außer zwei Betten nichts anderes steht!
Was mich nur wundert ist, dass die Maschine voll mit Touristen und Bergsteigern war, aber keine Türken und Kirgisen (?). Der Grund dafür ist dass die Turkish Airlines diese Lücke sofort gesehen hat als sich diese Staaten nach außen hinaus öffneten und eine Maschine eingesetzt hat, die täglich fliegt. Ansonsten gibt es nur Möglichkeiten über Moskau mit alten, russischen Maschinen. Bevor ich einschlafe will ich es noch einmal

wahrnehmen, schalte mein GPS ein, tatsächlich, ich bin in Kirgisien!

08.08.2007: Ich schlafe bis Mittags durch, denke irgendwer wird mich schon aus dem Bett prügeln wenn ich zu spät bin. Erst kurz nach 12.00 werde ich mit dem Spiellärm von Kindern wach. Es sind die Kinder des Ehepaares, die im Garten spielen. Sofort wird Frühstück zubereitet. Die nette Hauswirtin lädt mich in ihre Wohnung ein und bedient mich fürstlich und ruft auch gleich meine Agentur an die mich zum Flughafen sollen für den Weiterflug nach Osh fahren sollen. Tolles Service, staune ich, 15 min. nach dem Frühstück kommt auch schon Victor, fährt mich erst ins Büro von Tien Shan auf ein Kaffee mit Vladimir, dem Chef der Agentur. Wir besprechen noch etwas Geschäfte und ich reiche ihm noch als Zeichen meiner Dankbarkeit eine Flasche Raki, türkischen Schnaps zu. „Schnaps ist immer gut“, sagt er. Was mich jedoch erstaunt ist dass Vladimir gar kein Englisch kann, obwohl wir schon so viel Emailkontakt hatten. Er ließ sich meine Emails immer von dem lieben Geschöpf Maria übersetzen. Es ist an diesem Tag nicht anders. Ich bekomme meine Unterlagen und dann geht es weiter zum Flughafen. Doch vorher gibt mir Maria ihre Handynummer. „Falls Du mich dringend brauchst, Du brauchst nur anzurufen“, sagt sie. Viktor bleibt bei mir bis meine Maschine abfliegt. Am Flughafen lerne ich 2

Die Spanier
Unterwegs zum Basecamp

Spanier kennen, wir verabreden uns für ein gemeinsames Abendessen. Eine uralte Propeller – Maschine fliegt uns knapp 1 Stunde nach Osh. Der alte Kirgise, der neben mit sitzt, betet während dem Start und der Landung. Ich kann es sehr gut nachvollziehen. In Osh werde ich von Nadia empfangen. Die Spanier sind neidisch nachdem sie sehen dass ich von dieser hübschen Erscheinung abgeholt werde. Und der Abend wird schön, zwei Spanier und ein Türke machen am Abend Osh unsicher…

09.08.2007: … ist eines der schwersten Tage meines Lebens, doch brachte mir dieser Tag auch eines der schönsten Überraschungen. Ganze 10 Stunden dauert die Fahrt nach Achik Tash mit einem alten, russischen Minibus, der während dieser äußerst abenteuerlichen Fahrt wirklich keine Hindernisse kannte. Gerade nachdem wir von der Hauptstraße nach Achik Tash abbogen, ging es teils weglos durch Bäche und Weideflächen. Der Fahrer ist der Vater von Nadia. Ein gekonnter Off Road Fahrer. Mir fällt ein Aufkleber vorne am Wagen auf: „Camel Trophy Costa Rica“. Wir können uns keineswegs verständigen weil er nicht ein Wort Englisch, und ich nicht ein Wort Russisch kann. Zum Glück gibt es Hände du Füße und irgendwie machen wir es uns klar wenn einer mal pinkeln muss. Und da ich im Minibus rauchen darf ist auch keine weitere Pause

notwendig. Ich habe in meinem Leben nicht so viele Pferde und Esel gesehen wie an diesem Tag. Nach diesem Tag kann ich sehr gut nachvollziehen warum das Gebiet bereits zu mittelalterlichen Zeiten schon berühmt für seine Pferde war. In Ashik Tash (das Basecamp) stehen mehrere Lager. Sergej, der Camp Manager empfängt mich herzlich du zeigt mir gleich mein Zelt. Obwohl ich kein Essen am Lager mitgebucht
habe darf ich hier und auch am Lager 1 an allen Mahlzeiten teilnehmen. Und das schönste ist, es gibt Bier und Vodka am Lager zu kaufen. Und über die Preise kann man sich wirklich nicht beklagen.
Die größte und schönste Überraschung für mich am Berg war, als plötzlich am Nachmittag die mir bekannten, lieben Gesichter Jessica (14) mit ihrem Vater Robert vom Berg herunter kommen. Wir fallen uns in die Arme, Jessica ist ein berühmter Name bei uns in der Firma und in der Türkei. Sie hat den Ruf der jüngste Mensch überhaupt zu sein, der mit Ski auf dem Gipfel des Ararats stand. Und darüber wird in Bergsteigerkreisen in der Türkei heute noch gesprochen. Und da war sie sogar noch 13 Jahre alt. Das erste was wir machen ist mit Robert eine rauchen und anschließend ein Bier, Jessica trinkt Kola. Sie haben beide ziemlich heftige Verbrennungen im Gesicht, bei Robert sieht es ganz schlimm aus, die Verbrennungen gehen bis zum Hals hinunter. Robert warnt mich auch gleich vor der „Bratpfanne“ bei 5.000 m und Umgebung. Jessica ist etwas
Jessica und ich
Vodka

traurig, ich frage sie wann sie denn ihren ersten 8000er machen will. Sie sagt mit 18 und ich verspreche ihr dass ich mich bis dahin auch darauf vorbereiten werde und wir den dann gemeinsam machen. Ein Anlass zum feiern und zu staunen wie klein die Bergsteigerwelt, obwohl die Berge so groß sind, doch ist. Es sind noch einige Deutsche und Österreicher da, mit denen ich mich anfreunde und ich hole dann meinen Tiroler Speck raus und etwas von meinem selbst gemachten Müsli raus. Es schmeckt jedem und man will dass ich dessen Rezept verrate (oben) Ein ganzes Kilo- Klotz Speck wird beim Bier verspeist, aber das Müsli gibt es nur zum Kosten denn ich brauche es noch am Berg. Am Abend gehen noch ein paar mehr Runden Bier über den Tisch. Die Nacht kehrt ein, und den ganzen Tag zeigte der gewaltige Pik Lenin großzügig und verlockend seinen weißen Kopf…

10.08.2007:
Mit einem dicken Schädel geht der Tag los, doch ist es ein herrlicher Tag. Wir bekommen die Wettervorhersage, es soll die nächsten Tage schön werden, zumindest soll das Wetter nach meinem Plan, erst nachdem ich hinuntersteige, schlecht werden. Aus Erfahrung weiß ich aber auch genau, dass Wettervorhersagen für solche hohe Berge nur in ungefähr gemacht werden können. Nach dem Frühstück verabschiede ich mich von den Leuten. Noch ein Foto zum Andenken mit Jessica und Robert. Robert gibt mir

noch einige Informationen zum Berg und sagt mir dass es keinen Sinn macht mit Ski hinauf zu steigen, dass ich meine Ski lieber gleich unten lassen soll weil der Schnee oben sehr schlecht wäre. Ich verlasse mich auf seine Aussagen weil er sehr viel Erfahrung mit Skitouren hat. Danach breche ich auf zum Lager 1 das 4.450 m hoch liegt. Der Aufstieg ist sehr interessant, es verläuft über ein sehr deutliches Pfad. Unterwegs sehe ich knapp einen Dutzend großer Murmeltiere, die sich von den Bergsteigern nicht mal stören lassen. Die verschiedenen Farben der Hügel und der Berge, die man unterwegs sieht, sind ein weiterer phänomenaler Genuss für die Augen. Dann sieht man den Fuß des Lenin Gletschers mit gigantischen Formationen. Das Lager 2 ist nicht schlechter ausgestattet als das Basislager. Ich erreiche es in knapp dreieinhalb Stunden. Im Vergleich zum Basislager gibt es sogar eine Usbeken – Disco in dem die Bergsteiger abends eine Party machen. Andrej ist hier der Camp Manager von Tien Shan Travel. Um einen wirklich harten Bergsteiger gesehen zu haben, muss man Andrej erst kennen lernen. Er ist zwar der Camp Manager, arbeitet jedoch zugleich auch als Träger am Berg, der oftmals auch 2mal am Tag mit 20 kg auf dem Rücken zum Camp 2 hoch und runter marschiert. Er ist ein ruhiger Mensch und strahlt eine besondere Ausgeglichenheit aus. Er spricht ziemlich gut Englisch. Ich lerne ihn erst am Abend kennen weil er an diesem Tag wieder mal doppelt trägt.

Pik Lenin
Pik Lenin

Dafür werde ich bei der Ankunft von drei hübschen, jungen Russinnen, die am Lager als Köche arbeiten, freundlich empfangen. Einer dieser hübschen Gestalten kommt mit einem Lächeln auf den Lippen und einer Tasse Kaffee in der Hand und heißt mich Willkommen. Am Lager sitzt noch ein junger Bursche, Dominique, der mit einem schlechten Englisch versucht, Kontakt mit mir aufzunehmen. Er ist Deutscher und ich staune was einen 17 jährigen Deutschen dazu treibt, hier auf 4.450 m zu leben. Und das ganze für nur 10 USD am Tag, die er eh jeden Abend im Usbeken – Disco versäuft. Jedoch ist mir aber auch bis heute nicht klar, was seine Aufgabe in diesem Lager ist. Erst staunt er darüber dass ich in dreieinhalb Stunden hoch kam und dann fragt danach gleich, ob ich denn nichts an Ausrüstung hätte, was ich nicht brauchen und ihm eventuell geben könnte. Ich verspreche ihm meine Fleece Jacke, die ich ihm nach der Besteigung geben könnte. Er freut sich sehr darüber. Dann zeigt mir einer der hübschen Gestalten mein Zelt. Wie auch andere Bergsteiger hänge ich die Fahne meines Landes an mein Zelt Am Nachmittag lerne ich Andrej kennen, der mich dann freundlich etwas über den Berg berät und mir ein Hochlagerzelt und einen Kocher überreicht. Als ich ihm Geld für die Kartuschen geben will lehnt er ab „Nein, Du bist Gast von Vladimir“, ist seine Antwort. Danke Vladimir, so günstig bin ich noch nie auf einen Berg gekommen. Weiter lerne ich hier am Lager Brigitte, Karl, Claudia, Tom

und Michael, mit dem ich am selben Tisch esse, kennen. Mir ist bewusst dass zu dieser Zeit auch eine türkische Gruppe am Berg ist, nur weiß ich nicht wo genau sie zu dem Zeitpunkt sind. Dominique ist bestens informiert. Wir gehen zusammen zum Nachbarlager. Tatsächlich, ich treffe 4 türkische Bergsteiger an, die zum Lager zurückgekehrt sind. Der eine wurde Höhenkrank, der eine hat sich ein Zeh abgefroren und 2 konnten nicht hoch. Wir trinken zusammen Tee und ich helfe ihnen mit Zigaretten aus weil sie seit 2 Tagen nichts mehr geraucht haben. 4 Stunden später, bei Abenddämmerungen trifft der Rest der Truppe erschöpft am Lager an. Der Präsident der türkischen Bergsteigerföderation ist mit dabei. Er wundert sich darüber, dass ein Türke alleine ohne Gruppe am Berg ist. Und am Abend wird heftig gefeiert. Ich schließe mich der Feier mit 2 Flaschen Vodka an. Das Wetter verschlechtert sich und der Berg schließt in der Nacht seinen Kopf….

11.08.2007: wieder wache ich mit einem dicken Schädel auf. Morgens 5 h, ich strecke mein Kopf aus dem Zelt, es ist bewölkt und es fallen zeitweise einige Schneeflocken vom Himmel hinunter. Schnell noch frühstücken, ein Check up, „habe ich alles, was ich brauche?“ Wiege schnell noch mein Rucksack ab, ganze 17 kg , na ja denke ich, als ich 2005 den Ararat an einem Tag überquerte hatte ich etwa dasselbe Gewicht auf dem Rücken.
Die türkische Bergsteigerföderation
Das Camp eins auf 44.50 m

Es sind mehrere, die gleichzeitig aufsteigen. Ich habe vorher keinen Berg gesehen, der einen in den Entfernungen so täuscht wie dieser. Wenn man auf den Berg hoch sieht, denkt man dass alles greifbar nah ist. Von wegen, die Strecke zum Lager 2 ist so mühsam, dass die Beine sich nicht vorwärts bewegen wollen. Es sind sehr viele Gletscherspalten, die eine heimliche Gefahr darstellen. Und das ist meine größte Befürchtung weil ich alleine laufe und nicht am Seil gehe. Mit Müh und Not erreiche ich das Lager 2 auf einer Höhe von 5.470 m . Geschafft, schnell das Zelt aufstellen, denn ich will nach einer kurzen Pause weiter hoch steigen. Kurz etwas trinken, zeitweise schneit es. Mein Plan ist, dass ich noch ins Hochlager auf 6.100 m steige und dann wieder absteige, mich am nächsten Tag ausruhe und dann nachts bereits um 03.00 h direkt zum Gipfel ohne Gepäck und hochsteige in dem ich die Zwischenlager auslasse. Denn zum Lager 2 hoch habe ich gemerkt dass meine Kondition bedingt durch mein Gewichtsverlust doch sehr nachgelassen hat und vertraue auf mein inneres „Tier“ das mich ohne Gepäck hoch trägt. An einem hohen Berg geht man in der Regel nachts bereits hoch um vom gefrorenem Schnee zu profitieren und die Gipfel ab Mittag meistens bewölkt sind. Bei diesem Berg ist es etwas anders, die Bergsteiger gehen erst ab 07.00 h vom Hochlager zum Gipfel weil dieser Berg in den Morgenstunden zwischen 04.00 und 07.00 h starke Winde hat. Und diese Zeit

möchte ich für die Strecke vom Lager 2 zum Lager 3 verwenden. Als ich mit Andrej darüber sprach fand er das sehr sinnvoll. Und ich habe Angst davor dass ich nicht genügend akklimatisiert bin. Deswegen das feige Spiel, zuschlagen und „abhauen“! Zumindest so hoch wie möglich, denn ein Gipfel – Freak war ich noch nie im Leben. Also gehe ich los, Die Schneewand von Lager 2 nach 3 ist sehr steil, es liegt auch etwas Neuschnee, so dass man im Schnee einsackt was die Schritte noch schwerer und mühsamer macht. Gegen Nachmittag erreiche den Razdelnaya – Gipfel mit seinen 6.210 m , mein GPS misst 60 m mehr. Am Hochlager stehen einige Zelte, teils leer. Der Abstieg geht leichter, und teils gehe es auf dem Hosenboden weiter, und damit meine Hose nicht nass wird nehme ich die Schutzhülle meines Rucksacks dafür, der nach dieser Affäre selbstverständlich nicht mehr existiert. Es ist Abend und das Wetter verschlechtert sich. Über Funk hole ich mir die aktuelle Wetterprognose ein. Es soll noch schlechter kommen und einige Tage anhalten, sagt das Wetterdienst von Innsbruck. Toll, denke ich, wenigstens einen persönlichen Höhenrekord. Ich hoffe nur noch dass die Gletscherspalten nicht verdeckt sind, denn ansonsten wird die Sache für mich äußerst gefährlich weil ich alleine bin. Die ganze Nacht durch habe ich extreme Kopfschmerzen, hoffe auf etwas Schlaf und schönes Wetter am nächsten Morgen, doch der Gedanke mit den Gletscherspalten lässt mich in dieser Nacht nicht eine Minute schlafen und 3 starke Schmerztabletten reichen nicht, mir die Schmerzen zu nehmen. Und der Schlaf

Ich an meinem höchsten Pinkt
Das Camp 3, Bild jedoch nicht von mir, sondern von Robert, so hätte das Bild eins davor ausgesehen;-)

will und will nicht kommen. Wegen dem schlechten Wetter, das anhält, muss ich nun eine Entscheidung treffen. Warten oder hinunter steigen? Warten, wie lange? Meine Zeit ist ohnehin limitiert. Schlechtes Wetter soll weiterhin anhalten. Hoch geht gar nicht, also hinunter!

12.08.2008: Ich packe am frühen Morgen meine Sachen und bin einer der ersten, die aufbrechen. Ich sehe dass viele meiner Meinung sind. Einige Gruppen sind bereits schon unterwegs. In diesem Moment habe ich mir meine Ski bei mir gewünscht. Der Abstieg ist genauso mühsam wie der Aufstieg weil ich Angst habe, dass einige Spalten bereits mit Schnee überdeckt sein könnten. Nichtsdestotrotz fällt mein Rucksack bei einer Spaltenüberquerung in eine Spalte rein weil die Spalte so breit ist, dass ich nicht mit Gepäck hinüber springen kann. Als ich es auf die andere Seite werfe, in eine Senke, überschlägt es sich und fängt an, bergab zu rutschen. Ich kann meinem Rucksack nur hilflos nachschauen. Eine russische Seilschaft ist auch gerade da, einer kann meinen Rucksack, in dem alles, was ich für die Übernachtung am Lager brauche, drin ist, noch sehen. Mit den Armen gibt er mir ein Zeichen, dass es „weg“ sei. Der erste Gedanke ist natürlich mein Schlafsack für die nächste Nacht. Ich springe auf die andere Seite und gehe weiter an die nächste Spalte. Unten in der Spalte sehe ich mein Rucksack auf einem Eisbalkon liegen. Es liegt ziemlich unsicher in etwa 15 m

Tiefe. Ich warte kurz bis die nächste Seilschaft ankommt, damit sie mich absichern können. Dann steige ich am Seil hinunter und hole es raus. Einer der Russen holt einen Flachmann raus. Ein Grund zum Feiern, noch einmal Schwein gehabt!
Am Abend lerne ich Stefan und Andreas, zwei wertvolle Menschen, kennen. Sie überreden mich nach einer Flasche Vodka in der Usbekischen Disco mit ihnen in einem Kurzprogramm aufzusteigen weil sie ihr Akklimatisationsprogramm bereits hinter sich haben. In der usbekischen Disco habe ich nochmals gesehen wie knallhart die russischen Bergsteiger sind. Am Abend kam eine Gruppe direkt vom Hochlager hinunter und bevor sie in ihre Zelte gingen, kamen sie im Dunkeln noch schwer ausgerüstet in die Disco um zu trinken

13.08.2007: Am Morgen wache ich etwas spät auf, es liegt am Lager 1 sogar 10 cm Neuschnee und wir erfahren über Funk dass oben noch viel mehr Schnee liegt und das Wetter noch schlimmer kommt. Andreas und Stefan entscheiden sich einen weiteren Tag am Lager zu verbringen. Obwohl die Frühstückszeit bereits vorüber ist bereitet mir eine der schönen Russinnen ein Frühstück vor. Nach dem Frühstück muss ich mein Programm endgültig abbrechen und mich auf den Weg nach unten machen. Ich packe meine Sachen und

Da ist mein Rucksack reingefallen;-)
Stefan und Andreas

steige mit Brigitte, Michael, Claudia und Tom ins Basislager hinab weil meine Zeit einfach zu knapp wird.
Wieder Murmeltiere und eine wunderschöne Wanderung, jedoch haben wir unterwegs erst Schnee, dann etwa Sonne und dann kurz bevor wir ankommen noch einmal ein Hagelschauer. Am Abend trinken wir gemeinsam Vodka und Bier….

14.08.2007: Am Morgen bereue ich dass ich hinunter gestiegen bin, denn der Berg liegt frei von Wolken was jedoch nicht lange anhält. Aus Langeweile versuchen wir uns Beschäftigungen zu suchen denn wir haben noch einige Tage hier zu verbringen. Wir suchen Felsen zum Klettern was nicht einfach am Basislager ist, Wir nehmen uns einen Berg in der Umgebung vor, doch der Bach daneben fließt so wild das man es nicht überqueren kann. Wir machen Pläne was wir machen können wenn wir unseren Transfer nicht nach vorne verlegen können. Dann erfahre ich dass die Türken am nächsten Tag absteigen. Doch steht es nicht fest ob ein Lastwagen kommt oder nicht. Die Überraschung des Tages ist dass urplötzlich Karl ins Basislager hinunter steigt. Es erzählt uns dass die Schnee – und Wetterverhältnisse oben sehr schlecht wären. Nach dem Abendessen werde ich von Kirgisen in die Yurte eingeladen, ich folge ihnen und es gibt für mich dort ein

zweites Abendessen. Die Verständigung ist nicht einfach, doch wir kommen mit Händen und Füßen zurecht. In
der Nacht ist Sternenhimmel und ich denke ganz fest an Stefan und Andreas von denen ich in Kirgisien nichts
mehr gehört habe. Und ich hoffe dass sie eine erfolgreiche Besteigung haben und gesund wieder hinunter kommen.

15.08.2007: Nach dem Frühstück weiß immer noch keiner ob die Türken hinunter fahren. Aber dann plötzlich kommt ein Lastwagen angefahren, die Türken packen. Wir gehen zu ihrem Lager, es sind 3 Plätze frei die wir brauchen, Karl, Brigitte und ich wollen hinunter. Claudia und Tom wollen noch bleiben und Michael wartet auf seinen Freund der gerade oben ist. Sergej telefoniert mit dem Sat – Telefon mit Tien Shan Travel wegen Kosten: wir dürfen mitfahren, brauchen auch nichts zu bezahlen, sie rechnen später unter sich ab. Wieder beginnt eine abenteuerliche Fahrt, diesmal zurück nach Osh. Die Fahrt dauert knapp 11 Stunden bis zur Stadt Osh. Unterwegs machen wir bei einer Yurte Rast zum Mittagessen, hier treffen wir eine Franzosin an, sie ist von Frankreich bis hierher geradelt. Brigitte spricht mit ihr, sie ist bereits seit November 2005 unterwegs und hat noch einiges vor. Ich beneide sie, denn das ist Mut. Denn ich habe Menschen in meiner Nähe erlebt die

Beim Abstieg ins Basislager
Karl sitzt vor dem Zelt

aus Angst um ihre Zukunft und dem nächsten Tag ihre Gegenwart nicht ausleben konnten. Und Brigitte erzählte uns später dass sie es nur für sich selbst tun würde.
Als wir ankommen sind Nadia und ihre Mutter Olga sehr erstaunt darüber dass ich so schnell zurück bin, denn sie sind es eher gewohnt, dass Bergsteiger nicht vor 2 Wochen zurückkehren. Ich mache mir einen schönen Abend in der Stadt. Und nach dem Essen ist wieder Bar angesagt, lerne dort neue Kirgisen kennen. Nachts muss Olga leider aus dem Bett, um mir in der späten Nacht die Tür aufzumachen…

16.08.2007: Morgens muss ich Olga wieder wecken, auch damit sie mir die Tür aufmacht, denn es ist bereits 11.00 h und sie schläft noch. Ich will mir etwas Kultur ansehen. Osh hat so wenig an Kultur zu bieten dass ich nicht die Freiheit habe, dies in zwei Tage aufzuteilen. Der Süleyman Berg, eine heilige Stätte, die für verschiedene Glaubensrichtungen als eine heilige Stätte diente, ist meine erste Besuchsstätte. Es liegt oben auf einem kleinen Berg und man kann auch da nicht sehr viel Zeit verbringen. Jedoch bietet es einen wunderschönen Ausblick über die Stadt Osh Nach 2 Stunden habe ich es durch und gehe auf den berühmten Basar von Osh, was der größte Basar des Mittelostens sein soll. Es stimmt, ich bin nur durch eine Gasse durch

gelaufen, und diese war sicherlich länger als ein Kilometer. Und von diesen Gassen gibt es noch einige. Nach
einem Nachmittagsnickerchen, Abendessen und „meine“ Bar. Aber kein Plan für den nächsten Tag, aber dafür eine Verabredung mit Mira und Aycemal, zwei Schwestern, die ich in der Bar kennen lerne. Aycemal, die jüngere der Schwestern, spricht etwas Englisch. Doch durch die Sprachverwandtschaft habe ich auch keine großartigen Schwierigkeiten mich mit Mira zu unterhalten….

17.08.2007: Wir treffen uns in einem der vielen Restaurants von Osh und ich bin froh darüber dass ich mal etwas anderes essen kann als Schaschlik, denn die Speisekarten sind alle kyrillisch geschrieben und man weiß nicht was man essen soll wenn man dies nicht versteht. Doch den Schaschlik kann man mit den Fingern zeigen weil der Grill vor dem Restaurant steht. Einmal habe ich versucht mir etwas anderes zu bestellen, ich habe auf irgendetwas auf der Speisekarte getippt und es kam eine klare Suppe, in dem Speckstücke schwammen und eine halbe Schafsrippe. Mit den zwei hübschen Gestalten hatte ich ein wunderschönes und amüsantes Mittagessen. Dann fragen sie mich ob wir nicht gemeinsam ins Schwimmbad fahren sollen um dort etwas zu schwimmen und etwas zu Trinken. Das kommt so richtig als eine Überraschung da ich nicht weiß, was ich noch an diesem Tag alles machen soll. Wir mieten ein Taxi, ich lasse mich überraschen. Unterwegs kaufen wir Bier

Die Stadt Osh
Aycemal und Mira

und Vodka ein und fahren aus der Stadt heraus. Ich werde etwas nervös da es für mich etwas fremd ist dass
ein Schwimmbad so weit außerhalb der Stadt liegt. Von wegen Schwimmbad. Wir kommen an einem ziemlich schnellen Fluss an. Das ist das Schwimmbad! Dieses Missverständnis kommt natürlich davon dass die beiden Sprachen nicht identisch, sondern nur verwandt sind. Nichtsdestotrotz genießen wir es. Wir werden halbwegs Freunde, sie laden mich am Abend noch zusätzlich zum Essen nach hause ein. Und sie bestehen darauf dass ich meine Sachen aus Nadias Pension hole und bei ihnen übernachte. Am nächsten Tag soll mein Flieger am Nachmittag nach Bishkek gehen. Ich überlege ob ich den Flug überhaupt nehmen soll, denn ganz geheuer ist es mir mit diesen Fliegern eh nicht. Und etwas vom Land sehen will ich ja auch. Mira handelt mit einer ganzen Horde von Taxifahrern für mich einen Mercedes für nur 700 Com (13 EUR) aus, und die Strecke ist 700 km lang, Dauer ca. 10 Stunden. Ich verzichte auf meinen Flug, packe meine Sachen und siedele um in das Haus der Mädels. Sie kochen etwas Leckeres und es gibt Bier und Vodka dazu. Am Abend sehen wir uns den Film „Indiana Jones, der Mann mit der Peitsche“ an, halt nur auf Russisch. Da ich den Film schon einige male gesehen habe amüsiere ich mich auch mit der russischen Version. Wir schlafen alle drei vor dem Fernsehen ein. Irgendwann muss Aycemal aufgewacht und uns alle zugedeckt haben.


18.08.2007:
der aufregendste Tag meiner Reise überhaupt! Mira entscheidet sich, mich nach Bishkek zu begleiten. Ich habe nichts dagegen. Rufe Tien Shan Travel wegen Unterkunft für sie an, die Antwort der Maria ist kurz „no problem!“ Unser Taxi soll eigentlich um 10.00 h vor der Tür stehen, doch Mira meint dass er mit Sicherheit nicht vor 11.00 h kommt. Sie gehen beide noch einmal schnell auf den Markt, ich bleibe zuhause und schaue mir die Wiederholung des Filmes „Indiana Jones, der Mann mit der Peitsche an“. Als Aycemal und Mira wieder zurück sind steht auch unser Taxi bereit. Eine abenteuerliche Fahrt geht los dass mich den ganzen Tag bereuen lassen wird dass ich meinen Flug sausen lassen habe. Als Mitfahrer sind noch ein Mann und sein Sohn und eine junge Frau dabei, vermutlich die werdende Freundin des Taxifahrers. Es ist tatsächlich ein Mercedes Combi. Der Fahrer ein widerlicher Typ, er hat eine Trainingshose und ein Adidas T- Shirt an und hört laute russische Techno – Musik. Wir müssen natürlich mithören. Und ab und zu tätschelt er die Frau neben sich an die nicht gerade sehr glücklich damit ist. Sie spricht auch einige Wörter Deutsch, ab und zu unterhalten wir uns, was dem Fahrer natürlich gar nicht passt. Die Fahrt ist gefährlich, es wird keine Rücksicht auf Gegenverkehr genommen. Er überholt, ohne auf Gegenverkehr zu schauen, sobald ein Auto vor ihm ist. Das

Landschaft unterwegs nach Bishkek
Landschaft unterwegs nach Bishkek

gilt natürlich nicht nur für ihn, denn der Gegenverkehr macht es nicht anders. Irgendwie läuft der Verkehr aber trotzdem. Ich bekomme Schweißhände. Ich denke dass die Fahrer das gewohnt sind und jeweils immer vorbereitet darauf sind dass das Gegenverkehr fehlerhaft handelt und keiner regt sich auch großartig darüber auf. Und Unfälle passieren dann erst wenn beide Seiten gleichzeitig überholen. Dies geschieht wahrscheinlich oft, denn links und rechts der Straße sieht man in bestimmten Abständen Autowracks auf Stelzen. Dann gibt es irgendwann Mittagspause an einem Stausee. Dieser unsympathische Typ deutet mir mit Handzeichen immer wieder hin dass er keine Touristen mag und sie am liebsten abknallen würde. Ich mache ihm ein Angebot dass man sich einander nicht tötet, dass man das auch anders lösen kann, dass wir Armdrücken machen sollen. Und das wenn er mich besiegt, es gleich zu setzen ist mit dem dass er mich abknallt. Er lacht weil er etwas stämmig ist, vertraut auf seine Kraft und nimmt mein Angebot an. Der Mann hat eine Kraft wie ein Tier, nach etwa 3 min. siegt er. Er ist stolz auf seine Kraft doch lässt er mich in Ruhe. Mira dagegen ist enttäuscht, sie hätte von mir mehr erwartet. Ist mir aber auch recht, aber zumindest bin ich diesen widerlichen Typ erstmal los. Dann geht die Fahrt weiter, ich habe weiterhin Schweißhände. Und die Straße wird immer schlimmer, enger und kurvenreicher, es kommen uns ständig schlafende Fahrer entgegen, das

muss man wirklich mal gesehen haben, vielleicht jeder fünfte Fahrer, der uns entgegen kommt, schläft am Steuer. Einmal müssen wir sogar an einem entgegenkommenden Auto links entlang weichen weil er frontal auf uns zukommt. Meine Hände sind schon nass vor Schweiß. Und irgendwann ist es auch mit unserem Fahrer so weit. Ich sehe in seinem Rückspiegel wie seine Augen auf und abgehen. Erst schaue ich ihm etwas zu, doch dann denke ich an meine zwei Kinder. Ich versuche ein Gespräch mit ihm anzufangen. Ich frage ihn alle mögliche Sachen, wie er heißt, was das Auto kostet, was der Sprit kostet wo er denn seine Kraft her hätte. Ich habe ihn sogar nach dem Namen des am Himmel fliegenden Geiers gefragt, doch nach einer Weile hilft dies nicht mehr. Und immer wieder Gefahren ausweichen. Ich trockne meine nassen Hände an meiner Hose ab, der vor lauter Schweiß ohnehin schon nass ist. Einmal sind es wirklich nur noch 10 m , ich stütze mich schon an beiden Vordersesseln. Die anderen Mitfahrer schlafen auch alle. Mira auch. Also keiner der mir hilft. Ich fordere ihn darauf auf, dass er doch müde sei und anhalten muss um sein Gesicht zu waschen und zu sich zu kommen. Ich kann schon kaum mehr ruhig sitzen. Panik treibt in mir hoch. Er sagt mir mit Handzeichen dass er erst weiter unten auf einer Almebene anhalten will. Ich bin schweißüberströmt (aber kalter Schweiß), wir kommen an einer Yurte an, dort sollen wir Kimiz trinken (gegorene Stutenmilch, scheußliches Zeug), also noch

Eine Kirgizen - Yurte
Marad (links) nach seiner Niederlage

schlimmer denn es enthält Alkohol. Ich muss mir etwas einfallen lassen ansonsten steht unser Auto am nächsten Tag auch auf Stelzen am Straßenrand. Ich mache ihm das Angebot, dass ich weiter fahre. Er will nicht. Dann mache ich ihm das Angebot dass wir wieder Armdrücken machen und der Gewinner weiter fährt. Er lacht laut, aber nimmt mein Angebot an. Wir beginnen, diesmal mit Links weil er auch Linkshänder ist. Mist, denke ich! Aber er ist fair, er legt den Autoschlüssel auf die „Kampfarena“. Dann geht es los. Der Mann ist stark wie ein Bär, aber nach etwa 10 min. siegt die Seite der Todesangst. Als ich die letzte Kraft einsetze um ihn endgültig hinunter zu drücken liegt meine rechte Hand bereits auf dem Autoschlüssel. Ich drücke ihn nieder und schnappe mir den Schlüssel. Aus lauter Freude bezahle ich die gesamte Runde. Die Fahrt von nun ab ist schön, ich weiche zwar oftmals noch schlafenden Fahrern aus dem Weg, doch weiche ich ihnen wenigstens „wach“ aus. Wir kommen sicher an. Und ich genieße es teilweise sogar die Landschaft in der Umgebung zu bewundern. Marad, der Taxifahrer schläft bis nach Bishkek bis ich in das Taxiterminal rein fahre das gleich an der Hauptstraße liegt. Aber ich habe nach dem Armdrücken noch ein Bild von Marad gemacht (links), denn so ein Gesicht wie seins nach der Niederlage habe ich mein Lebtag nicht erlebt.
Ich bin dann jedoch froh als ich endlich im Guest House im Bett liege.

19.08.2007: Ein schönes Gefühl mit der Stimme der Hauswirtin aufzuwachen und sich auf ihr schönes Frühstück zu freuen. Ganz großartig von diesem Ehepaar finde ich dass sie mich diesmal in ihrem eigenen Haus, in ihrem eigenen Schlafzimmer unterbringen. Ich habe mich bei der Ankunft dagegen gesträubt, doch sie haben darauf bestanden, also musste ich es annehmen. Einer der größten Fehler für einen Mann ist, sich einer Frau beim Bummeln anzuschließen oder umgekehrt, sie zum Bummeln mitzunehmen. Ich habe Mira mitgenommen damit sie mir etwas von Bishkek zeigt. Von wegen, a) sie kennt sich in Bishkek gar nicht aus, und b) sie will im Basar von Bishkek bummeln. Ich will sie nicht kränken und schließe mich an. Nach einer kurzen Zeit im Basar, schnappt mich einer am Arm, einer von der Kripo, „Dokumente“, und zeigt mir dabei seinen Ausweis, Ich hole halbwegs zitternd mein Pass raus, weil er mich ziemlich erschrak. Das gewohnte Spiel: „Türk!“, Ein Lächeln, und weiter. Mira kauft verdammt viel ein, wir stopfen die Hälfte in meinen Rucksack rein weil sie nur zwei Hände hat und sie auch beim Einkaufen beide zum Handeln benutzt. Ich schnaufe nur noch nach PIVA! Irgendwann geht ihr Geld aus und wir gehen dann ziemlich spät zum Mittagessen. Natürlich mit PIVA. Zum Glück geht ihr Geld aus. Dann verrät sie mir den Grund, warum sie so viel eingekauft hat, nämlich die Sachen die sie gekauft hat, sind in Osh doppelt so teuer und die Mode von Bishkek kommt ziemlich

Am Basar von Bishkek
Das Stadttheater von Bishkek

spät in das Hinterland. Und sie verhökert die Sachen natürlich an die ganze Freund- und Verwandtschaft. Ich versuche sie zu verstehen und freue mich über diesen vergangenen Tag. Am Abend treffen wir noch zwei Freundinnen und einen Freund von ihr und wir essen gemeinsam. Der Freund von ihr erzählt ganz stolz dass er sich den Tiefen des Islam gewidmet hätte. Alle am Tisch bewundern diese Einstellung. Ich dagegen bin skeptisch und denke „Mist, hier hat der Fundamentalismus auch schon seine Samen eingesät und ist dabei, sich in der Infrastruktur der Menschen auszubreiten.

20.08.2007: Am Vormittag fährt Mira wieder zurück nach Osh. Wir gehen gemeinsam zum Busterminal und ich lasse mich darüber vergewissern dass sie einen ausgeschlafenen Taxifahrer bekommt. Und Bishkek ist ehrlich gesagt nach einem Tag langweilig auch langweilig. Ich mache einen Spaziergang auf den Basar um Geld zu wechseln und Kleinigkeiten für meine Töchter kaufen muss. Dann noch schnell packen, ich muss vorsichtig sein denn sie sind hier am Flughafen ziemlich vorsichtig mit dem Übergepäck und ich habe davon mehr als 10 kg. Das kann unter Umständen teuer werden. Ich werde nachts um 01.00 h wieder privat mit einem Mercedes, wie bei der Ankunft, zum Flughafen gefahren. Die Dame am Schalter schaut sich meinen Pass an, lächelt und

sagt “ok!“. Im Duty Free Shop kaufe ich noch ein paar Büchsen Bier mit meinem restlichen kirgisischen Geld ein. Die Maschine fliegt pünktlich. Es laufen diesmal 2 Filme im Flieger und es gibt diesmal Frühstück anstelle von Frikadellen. Neben mir sitzen zwei hübsche Russinnen, die nicht gerade sehr erfreut über mein Dasein sind. Klar, die Klamotten die ich trage, stinken….

Mein Eindruck.
Eine tolle Reise, wenn man es mit drei Worten zusammenfassen muss. Sicher hätte ich gerne auch den Gipfel erreicht, doch Berge kann man nicht erzwingen, und nur wenn der Berg es einem erlaubt, erreicht man den Gipfel. Der Berg hat immer die Oberhand, da reicht es auch nicht aus, ein „Extremer“ zu sein, denn letztendlich entscheidet nicht der Bergsteiger oder dessen Ausrüstung, sondern alleine der Berg, wer, wann auf den Gipfel erreicht. Es war trotz Allem ein tolles Bergerlebnis, ich habe wertvolle Menschen kennen gelernt. Ich habe ein Land gesehen in dem die Menschen noch sehr freundlich sind und vom Tourismus nicht verdorben sind. Freundlich und hilfsbereit in jeder Hinsicht. Ein Naturschauspiel, ein Land das nicht dicht besiedelt, und dessen Natur verdorben ist. Von Osh nach Bishkek habe ich so viele Landschaftskontraste gesehen dass man sich

Ein Murmeltier
Nach Hause mit der Turkish Airlines

alles im Kopf nicht mal merken kann. Ich wurde in Kirgisien oftmals gefragt ob es mir gefallen hat und ich wieder kommen werde. Und meine Antwort war ein klares „ja!“. Dies bestätigte sich dadurch als gleich nach meiner Ankunft mein Freund Sepp aus Österreich anrief und wissen wollte ob ich am Gipfel war. Als er dann erfuhr dass es nicht geklappt hatte, wies er mich darauf hin dass der Berg immer dort steht. Das stimmte, deshalb habe ich mir auch gleich den Gedanken gemacht warum ich nicht gleich auch ein Termin in unser Programm lege.
02.08.2008, Die genaue Ausschreibung der Reise ist in Kürze in unserer Homepage. Interessierte können aber gerne jetzt schon näher informieren... Einfach Email an mich....

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